Im Rahmen des ARTOS – Projekts (Artikulationsarbeit in Offshoring-Projekten kleiner und mittlerer Unternehmen der Software-Branche) analysierten die Wissenschaftler mit Hilfe des Konzepts der Artikulationsarbeit detailliert die Koordinationsprozesse auf Projekt- und Mitarbeiterebene. Artikulationsarbeit ist notwendig, um Arbeitsschritte abzusprechen und zu koordinieren. Hierzu gehört u.a., die Arbeit aufzuteilen, Missverständnisse zu klären und erledigte Arbeit zu melden.
Die Problematik
Werden Teile eines Softwareprojekts wie beim Offshoring auf unterschiedliche Standorte verlagert, kommt es häufig zu Koordinationsproblemen zwischen den Teams. Dabei haben die Forscher zwischen formalen und informellen Koordinationspraktiken unterschieden.
Formale Koordination findet z.B. über Bug Tracker (Fehlerbearbeitungssysteme, die Programmfehler erfassen und dokumentieren) oder Versionskontrolle (System, das Änderungen an Dokumenten oder Dateien erfasst) statt. Hier sind Form, Ablauf und Inhalt klar geregelt.
Informelle Koordination hingegen ist nicht organisatorisch geregelt oder vorgeschrieben und geschieht üblicherweise über individuell gewählte Medien wie z.B. Instant Messenger (Kommunikation über sofort versandte Textmitteilungen). Diese Art der Kommunikation vollzieht sich für andere Teammitglieder oft unsichtbar, obwohl für sie und ihre Arbeit am gemeinsamen Projekt Transparenz relevant wäre.
Die Lösung
„Articulation Spaces“ machen informelle Koordination für alle Beteiligten sichtbar, unterstützen den Wissensaustausch unter den Mitarbeitern und regen zur direkten Kommunikation an. Der Lösungsansatz bildet den gemeinsamen Arbeitskontext auf einem „Public Display“ ab. Auf einem iPad, das an der Wand befestigt wird, werden unterschiedliche Informationen über eine Microblogging-Anwendung zusammengefügt. Formale und informelle Projektinformationen werden so gemeinsam dargestellt.
Abbildung 1: Lösungsansatz „Articulation Spaces“: Anordnung der Nachrichten durch Berührung des Bildschirms
Die Lösung ist wie ein Schwarzes Brett gestaltet. Der Nutzer kann auf Entdeckungsreise gehen und auf spielerische Art und Weise das Gerät ausprobieren.
Alle Nachrichten werden wie auf Klebezetteln dargeboten. Jeder Nutzer versteht das Konzept problemlos und fühlt sich sofort eingeladen, mit dem Gerät zu Arbeiten. Durch Berührung des Bildschirms können die Nachrichten beliebig angeordnet werden. Wichtige Nachrichten können hervorgehoben unwichtige gelöscht werden. Über die iPad-Tastatur können Nachrichten auch direkt am Gerät eingegeben werden.
Abbildung 2: Lösungsansatz „Articulation Spaces“: Texteingabe über iPad-Tastatur
Um den Überblick über die unterschiedlichen Nachrichtenquellen zu wahren, sind die Nachrichtenzettel farbkodiert. Befinden sich auf dem Bildschirm zu viele Nachrichten verschwinden die älteren automatisch in den Hintergrund. Zudem verblassen die Zettel mit der Zeit und zeigen so das Alter der Nachrichten.
Der Ausblick
Die Wissenschaftler haben das Konzept der „Articulation Spaces“ prototypisch in einer kleinen deutschen Softwarefirma implementiert und evaluieren es derzeit im tatsächlichen Arbeitsumfeld. Ergebnisse der Interviews, Beobachtungen in der Praxis und Workshops mit den Nutzern fließen anschließend in die Weiterentwicklung des Konzepts der „Articulation Spaces“ ein, um die Praxistauglichkeit und Usability noch weiter zu verbessern.
Quelle: ARTOS-Uni Siegen